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no. 18: die jüngste epoche -> retrophänomene
 

Vom Relikt zur Requisite

Anmerkungen zum Verständnis von Retrophänomenen

von Christoph Bock

zum artikel:

* literatur
* druckbares

Ampelmännchen aus der DDR, Schlaghosen, French Cuts, Cafés in Neonfarben, coole Plattenbauten, CD-Kollektionen mit den rockigsten FDJ-Fahnenliedern, Bluna, Grünofanten: Retrophänomene sind nichts Neues, jedoch erst seit kurzem werden sie zum Thema massenmedialer Großformate wie Ostalgie-, 80er und 70er Jahre-Shows. Doch was zeichnet ein Retrophänomen eigentlich aus? Unter Substitution dieser Bezeichnung durch das zeitliche Kulturzitat stellt der Artikel einige Regelmäßigkeitsannahmen vor (Implikation zweier Zeitkulturen, kreative Vergegenwärtigung von Geschichte, Zeichenstruktur, metonymische Aspekte, Flexibilität des Signifikats, Stabilität des Signifikanten, profaner Bereich, etc.). An diese knüpfen Überlegungen zu individuellen Funktionen des Retrophänomens an (Pflege und Verehrung einer Wahlheimat, Vergleich, Spiel).

 
Für Z.C.

 

I

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Abb. 1

Die Waschmaschine WM 66 aus der DDR erfreut sich laut einer viel aufgegriffenen dpa-Meldung 37 Jahre nach Produktionsstart wieder großer Beliebtheit (Abb. 1). Im Jahr 2002 lag der Absatz bei 3000 Stück, für 2003 wurden 6000 angestrebt. Und das, obgleich die Maschine stark veraltet ist. Die WM 66 verfügt über keine Trommel und keine Einlaufvorrichtung. Das Wasser muß per Hand eingefüllt werden, es gibt nur einen, sechsminütigen Waschgang, spülen ist nicht möglich. Die Kosten liegen bei 259 EUR für die Privatversion und bei 750 EUR für ein Modell für gewerbliche Zwecke. Nach dem Zusammenbruch der DDR war die zuvor in die Millionen gehende Produktion eingestellt worden. Aufgrund anhaltender Nachfrage in den alten und neuen Bundesländern und auch international, wurde sie neu aufgenommen, im Design und technisch weitgehend unverändert.

Die WM 66 ist ein Beispiel für das, was landläufig unter einem Retrophänomen verstanden wird: Die Wiederkehr eines Sachverhalts, der mit der Vergangenheit assoziiert wird. Was aber ist mit Retrophänomen genau gemeint? Regelmäßigkeitsannahmen für das Retrophänomen wie es typischerweise auftritt (II) und Aussagen darüber, welchen persönlichen Sinngewinn die Leute aus dem Umgang mit diesem ziehen (III), ergeben sich, wenn man die Bezeichnung Retrophänomen durch Zeitkulturzitat ersetzt.

 

II

Als Minimaldefinition von Zitat läßt sich eine andere Rede innerhalb einer Rede angeben. Kultur bezeichnet mit Dirk Baecker eine bestimmte Beobachtung bzw. Kommunikation; ein Relikt, das in dieser als 'Anderes' fungiert, stellt ein Kulturzitat dar. Populär sind vor allem die Zitatbereiche Accessoires, Beleuchtung, Kleider, Möbel, Musik, Teppiche/Stoffe. Doch auch Gesten, Farben, Frisuren, Klänge, Sprüche, Sportarten oder reale Personen und Gruppen (Nena, Modern Talking) werden als Kulturzitat verwendet. Das Kulturzitat kann einfach vorliegen (eine WM 66) oder komplex (eine ganze Band, Abb. 2) -- entscheidend ist, daß es von einem Beobachter als Einheit von einem Hintergrund abgegrenzt werden kann.

 

"Die 80er, das war die Zeit, als wir glaubten, rosa sei eine schöne Farbe"

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Abb. 2

Anders als das Standardzitat wird das Kulturzitat nicht zwischen Texten transpositioniert. Zitiert werden die 70er Jahre, die 80er, die DDR, die eigene Kindheit und Jugend, usw. Gemeinsam ist diesen Bezeichnungen, daß sie Namen für Zeitkulturen sind.

Die Divergenz von aktueller und 'anderer'/zitierter Zeitkultur stellt das Äquivalent zur Unterscheidung eine/andere Rede des Standardzitats dar. Zeitkulturen sind als temporäre Sinneinheiten zu denken, mit jeweils eigener Reichweite von Kommunikation. Gebildet werden sie durch gegenwärtige individuelle oder soziale Beobachtung von Relikten, historischen Begebenheiten, Gepflogenheiten mittels Differenzen wie früher/jetzt/später. An diese Leitunterscheidungen können dann soziale Differenzen (vertraut/fremd) und/oder sachliche (rosa/grün, Waschmaschine/Spülmaschine) anknüpfen und eine Zeitkultur komplexer gestalten.

Nach dem oben zitierten Spruch der SWR3-Moderatorin Stefanie Tücking zu urteilen, ist es für sie und die implizierte Interpretationsgemeinschaft ("wir") gegenwärtig nicht mehr möglich, rosa als schön zu empfinden ("glaubten", Präteritum). Offensichtlich trifft dies nicht zu, da seit den historischen 80er Jahren schlicht Zeit vergangen ist. Sondern da in dem Satz die 80er Jahre als eine Zeitkultur -- nicht benannt, aber doch -- behandelt werden, die als solche durch bestimmte (temporäre) Präferenzen, Überzeugungen, Empfindungen charakterisiert ist.

Indem Tücking eine zeitliche Sinneinheit I absteckt, wird aus Perspektive einer Differenztheorie zugleich eine Zeitkultur II mit einer eigenen Reichweite von Sinn unterschieden. Tückings Satz läßt diese nur implizit aufscheinen. Was der Interpretationsgemeinschaft der rosa Zeitkultur I gegenwärtig als schöne Farbe gilt, bleibt offen. Bedeutsam ist, daß in dieser Zeitkultur II, Präferenzen, etc., die mit der Zeitkultur I assoziiert sind, von der Interpretationsgemeinschaft aufgrund der zeitkulturellen Differenz nicht ohne weiteres als Kommunikation angeschlossen werden können. Sicher, man kann, überspitzt gesagt, einen rosa Hut aufsetzen, seine Wohnung rosa streichen, die Welt rosa sehen. Sofern man allerdings die 80er zugleich als historische Zeitkultur versteht, ist das aus Sicht einer Theorie des Kulturzitats nur als Zitat möglich. In anderen Worten: Wiederholt ein Beobachter etwas, daß für ihn zugleich einer historischen Zeitkultur angehört, wiederholt er nicht lediglich, sondern er wiederholt aufgrund der zeitkulturellen Differenz zitierend.

 

"Brauner Bär, du fehlst uns sähr"

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Abb. 3

Wer erzählt, daß es den Inbegriff der eigenen Jugend, das Langnese-Eis Brauner-Bär (Abb. 3) wieder zu kaufen gibt, betreibt . Wie facettenreich Zeitkulturkommuniakation ist, zeigt exemplarisch ein Blick ins Netz. In verschiedensten Konzeptionen wird hier -- privat wie kommerziell, hochqualitativ wie belanglos -- zeitkulturell Rekurs genommen auf einen einzelnen Sachverhalt (Tapete, Computer/ -spiel, Fernsehsendung), auf eine Dekade (50er, 60er, 70er, 80er Jahre), auf einen Anlaß (Heirat), eine historisierte soziale Identität (Mods, Rockabilly-Gruppen) oder allgemein auf das Themenfeld retro, heritage, vintage culture.

Von Zeitkulturkommunikation über Kulturzitate -- sei es im Medium Sprache oder in den Medien im allgemeinen -- ist Zeitkulturkommunikation zu unterscheiden, die mit Kulturzitaten, etwa mit Brauner Bär als Medium erfolgt. Erst wenn ein Beobachter zeitkulturelle Kommunikation mit (sinnlich wahrnehmbaren) Sachunterschieden betreibt, ist von einem Kulturzitat und von einem Zitierenden zu sprechen.

Dieser pragmatisch kommunikative Aspekt kann auch als Handlung des Zitierenden, als Kulturzitation beschrieben werden. Man schickt keine Bär-her-Quengelappelle mit Pumuckl-Reimen an Langnese, sondern man verzehrt Brauner Bär. Man weiß nicht nur Bescheid, wie die von The Who die Haare in den 60ern trugen, man trägt sie selbst in diesem Stil. Man findet Lavalampen nicht einfach abgegriffen, sondern stellt sich selbst eine auf die Anrichte. Kurz: Man tut etwas, das persönlich oder allgemein mit einer Zeitkultur der Vergangenheit assoziiert ist. In lebensweltlicher Hinsicht ist pragmatische Zeitkulturkommunikation mit zeitkultureller Kommunikation über Kulturzitate dicht verwoben. Sei es als Zeitungsbericht darüber, daß 2002 über 3000 WM 66 verkauft wurden, sei es als Kommentar des Zitierenden.

 

"Revival der DDR-Waschmaschine"

Eine Kulturzitation erfolgt in gegenwärtiger Performanz; die Referenz dieser Operation ist historisch. Was also als 80er Zeitkultur beobachtet wird, ist eine 80er Zeitkultur der Gegenwart. Die Kluft zwischen Performanz und Referenz kann nicht aufgehoben werden. Wie sollte man Geschichte quasi objektiv wiederholen? Doch die Kluft ist auf verschiedene Weisen überbrückbar. Eine Möglichkeit besteht darin, die Vergangenheit wie ein professioneller Historiker zu vergegenwärtigen. Für dessen Herangehensweise stehen Exaktheit von Daten, Einbezug abweichender wissenschaftlicher Meinungen, methodisch-kritische Reflexion des Problems, Geschichte von einem gegenwärtigen Standpunkt aus zu betrachten, etc. Bei Kulturzitationen wird hingegen ein kreativer Umgang mit Geschichte gepflegt.

Auf die DDR etwa wird in einer Kulturzitation nicht mit eingeschränkter Reisefreiheit Rekurs genommen. Die 70er Jahre werden nicht via Ölkrise, Niedergang klassischer Industrien und wachsender Furcht vor den Grenzen des Wachstums zitiert. Ästhetisierung, Verklärung, Romantisierung von Geschichte sind Wörter, die angesichts solcher Selektionen oft fallen. Eine andere Form des kreativen Umgangs besteht in der Simulation von Erfahrungen als zeitkulturtypisch. Etwa, wenn die WM 66 als "DDR-Waschmaschine" kommuniziert wird und somit das Waschen mit ihr als eine spezifische DDR-Wasch-Erfahrung erscheint. Diese Erfahrung konnte in der historischen DDR so niemand machen, denn hierzu wäre eine zeitkulturelle Vergleichsperspektive Voraussetzung gewesen. Anders: Der Umstand, daß die WM 66 über nur einen Waschgang verfügt, kann nur vor dem Hintergrund gegenwärtiger Erwartung dreier Waschmenüs mit je zehn Unterpunkten als "einfache Technik" gewertet werden.

Während dem professionellen Historiker ein Zitat als Beleg für eine wissenschaftliche Interpretation von Geschichte gilt, dient das Kulturzitat dem Zitierenden als Requisit zur (historisierenden) Ausstaffierung der eigenen Gegenwart. Was sich an historischen Vorgaben als nicht operational erweist wird -- wissentlich oder unwissentlich -- beiseite gelassen. Was in die Vorstellung einer Zeitkultur paßt aber historisch so nicht sein konnte, kann simuliert werden. Grenzen sind dem kreativen Umgang mit Geschichte im Kontext des Kulturzitats dort gesetzt, wo dessen historische Referenz verloren zu gehen droht. Eine Folie für das, was an kreativem Umgang mit Geschichte möglich ist und was nicht, bietet das kollektive Gedächtnis in Form der Massenmedien.

 

Standhafte Ampelmännchen

Das Standardzitat besitzt immer eine Zeichenstruktur, da es auf sprachlichen Zeichensystemen aufbaut. Bei Relikten, die potentiell als Kulturzitat beobachtet werden können, kann, aber muß dies nicht der Fall sein. Ampelmännchen hatten in der historischen DDR ausschließlich die Bedeutung gehen/stehen im Kontext der Straßenverkehrsordnung inne. Der WM 66 hingegen kam vorrangig instrumenteller Verwendungssinn zu, die Funktion Wäsche waschen.

Mit der Verwendung als Kulturzitat geht einher, daß die WM 66 einer Semantisierung unterzogen wird. Sie wird zu einem Zeichen mit einer Bedeutung und steht mithin für Kulturvergleiche zur Verfügung. Etwa, daß es cool oder Kult ist, solch einen 'Memomat' zu besitzen statt eines modernen Geräts. Eigenen Bedeutungsapplikationen, egal ob emotionaler oder eher theoretischer Art, sind kaum Grenzen gesetzt. Die bisherige instrumentelle Funktion der WM 66 bleibt bei einer Verwendung als Kulturzitat bestehen. Die WM 66 steht nach wie vor zum Obst dörren und Kartoffeln waschen zur Verfügung -- und zum Würstchenkochen, wozu sie DDR-Zeiten an jedem 1. Mai genutzt worden sein soll.

Indem die Ampelmännchen aus der DDR auf Notizblöcken, T-Shirts und Schlüsselanhängern als Kulturzitat verwendet werden, erfahren die Männchen eine Bedeutungserweiterung von gehen/stehen. So gelten die Männchen vielen als Symbol für die Standhaftigkeit der ehemaligen DDR gegenüber der Bevormundung des Westens. Denn um 1995 wurden die Ampelmännchen zunehmend durch ihr BRD-erprobtes DIN-Norm-Pendant ausgetauscht. Protest erhob sich, der, unterstützt von hochrangiger Hilfe aus der Politik, in einigen alten Bundesländern Erfolg hatte -- womit auch die konventionelle Bedeutung im Straßenverkehr in ihrem Fortbestand gesichert war. Diese konventionelle Bedeutung bleibt auch dann bestehen, wenn die Ampelmännchen als Kulturzitat verwendet werden. Zwar stoppt niemand oder setzt sich bei derartiger Verwendung in Bewegung; doch nach wie vor werden die Ampelmännchen als diejenigen Ampelmännchen identifiziert, die gegenüber den BRD-assoziierten Männchen "so viel mehr Charme und Menschlichkeit versprühen" (Chat-Beitrag in einem DDR-Forum).

 

"Modern Talking, die fleischgewordenen 80er"

Das Kulturzitat ist nicht irgendein Zeichen, sondern eines, das sich durch eine metonymische Beziehung zwischen Signifikant und Signifikat auszeichnet. Die Hauptbedeutung (Denotat) dieses Zeichens liegt in der Regel bei einer Zeitkultur bzw. einem Zitatbereich einer Zeitkultur (Musik, Lebensmittel, Mode, etc.). Emotionale und andere Bedeutungen, wie sie durch die Zitierenden appliziert werden, knüpfen als Konnotate an.

Florian Illies zum Beispiel setzt in obigem Zitat aus Generation Golf die vor allem in den historischen 80ern erfolgreiche Gruppe Modern Talking in metonymische Beziehung zu einer Zeitkultur der 80er Jahre. Zeichentheoretisch formuliert: der Signifikant Modern Talking (auf lebendigem Träger) und das Signifikat 'die 80er Jahre' bilden (pragmatisch motiviert) ein metonymisches Zeichen. Ein zweites Beispiel stellt ein online-Shop für 'DDR-Produkte' dar. Das Ampelmännchen auf der Startseite wird faktisch als Zugang zu all dem verwendet, was die Betreiber für eine gegenwärtige Inszenierung der DDR für wertvoll erachten.

Ein Grund für diesen metonymischen Charakter des Kulturzitats dürfte darin liegen, daß Zeitkulturen in ihrer gesamten Reichweite von Sinn kaum zitiert werden können. Jedoch eher mittels einer überschaubaren Anzahl an Zeichen, an die sich eine ganze Zeitkultur anheftet. Man darf annehmen, daß Relikte sich insbesondere dann als Kulturzitat eignen, wenn sie charakteristische Merkmale der ihnen zugeschriebenen Zeitkultur vorteilhaft zu verdichten und thesaurieren vermögen. In der medialen Anschlußkommunikation an die Wiederkehr der WM 66 etwa erscheint diese als Metonymie für Lebensqualität im Sozialismus: Hergestellt in Kombinat-Produktion, mit vergleichsweise schlichtem Design ("DDR-Luxus") und einfacher Technik gegenüber kapitalistisch erzeugten Waren ("nahezu Handarbeit"); funktionstüchtig, verläßlich ("robustes Ding") und nicht ohne Charme ('Würstchen kochen').

 

Altes Karosseriestyling -- neueste Motorentechnik

Während die zeitkulturelle Beobachtung eines Relikts Bedeutungsstiftung oder -erweiterung bewirkt, bleibt der Signifikant -- wenn ein Relikt erst einmal als Kulturzitat gilt -- stabil. Dem wörtlichen Zitat vergleichbar, erfolgen also keine Veränderungen an dem Zeichenträger. Egal ob dieser vorrangig visueller (WM 66) oder geschmacklicher (Brauner Bär) oder akustischer Art ist. Den Sound des ehedem in Jazz und Latin populären Fender Rhodes-E-Pianos, der im Acid-Jazz der 90er ein Revival erfuhr, muß heute jedes Keyboard unverkennbar wiedergeben. Zahlreiche Midi-Plug-ins versuchen sich an der nämlichen Funktion.

Die Massenproduktion eines Relikts ist der Stabilität des Signifikanten förderlich, denn bei Redundanz verlieren Veränderungen an einzelnen Sachverhalten an Bedeutung. Eine solide Zeichenträgersubstanz (Plastik, Holz, Stoff, etc.) ist der Stabilität ebenso zuträglich. Ein originales Kulturzitat -- eine WM von 1966 -- bleibt so von selbst als Signifikant identisch. Zuweilen heben die Leute extrem 'haltbare' Objekte auf, obgleich sie kaputt sind. Denn materialiter sind sie noch vorhanden und als 'stabiles Zeichen' brauchbar. Kopien erfolgen in der Regel unter dem Kriterium Originaltreue; die häufige Bezeichnung Re-edition impliziert diesen Aspekt bereits. Oft genügt es auch, wenn stilistische Merkmale beibehalten werden. Mittels solch objektübergreifenden Bezugs kann auch ein Mac-Computer im Braun-Design der 60er Jahre gestaltet werden. Zuweilen bleibt der Signifikant nur im Hinblick auf unmittelbar sichtbare Aspekte stabil. So bei zeitkulturell als charakteristisch empfundenem Karosserie-Styling bei neuester Motorentechnik. Ebenso finden sich den Signifikanten betreffend Kombinationen von stabilen Kulturzitaten mit anderen Zeichen als gemeinsame Einheit: der Nietengürtel als Accessoire zum Brioni-Anzug; der Trabant als verfremdendes Element im Nobelautohaus.

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Abb. 4

Die Gleichzeitigkeit von Stabilität des Signifikanten und Flexibilität des Signifikats, bei durchgehaltener metonymischer Beziehung zu einer Zeitkultur, dürfte die Anwendbarkeit des Kulturzitats in verschiedenen alltäglichen Situationen unterstützen. Denn somit sind Applizierbarkeit von verschiedenen Bedeutungen und Wiedererkennbarkeit des Zeichens gewährleistet. Es braucht mit anderen Worten Identität für nicht-identische Beobachtungsoperationen (Abb. 4).

 

"Auf der Suche nach dem verlorenen Eis" (Stuckrad-Barre)

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Abb. 5

In hermeneutischer Setzung darf man von einem optimalen Funktionieren des Kulturzitats bei einer idealen Kommunikationssituation zwischen Zitierendem und einem Zitatbeobachter ausgehen. Diese Situation liegt vor, wenn auf Seite des Zitierenden das Kulturzitat bewußt als solches verwendet wird und von einem Beobachter der Kulturzitation als solches verstanden werden soll und wird (Abb. 5, Feld 1). Man besucht einen Mod-Abend : "I wear a zoot suit jacket with side wents five inches long/I have two-tone brouges all the rest say you know this is wrong." (Zoot Suit, The High Numbers) Der Zitatbeobachter kann daraufhin kundtun: ich kenn's und stimme zu; bzw. im weniger idealen Fall, ich kenn's, aber so Zeug ist leider nicht mein Fall. Kurz: der Zitatbeobachter kann kommunikativ anschließen. Im Fall von Feld 2 bleibt der Kommunikationsakt Kulturzitat unvollendet.

In der Regel muß die Beobachtungsgabe des Rezipienten um so feiner und sein Wissen um so größer für ein Erkennen des Kulturzitats sein, desto weniger bekannt das Kulturzitat ist. Gruppenspezifisches Wissen und mediale Sozialisierung spielen bei der Erkennbarkeit von Kulturzitaten eine große Rolle. War man in den 80er Jahren Kind und unterstand keinem elterlichen Fernsehverbot, versteht man, was vor sich geht, wenn jemand ein nachdenkliches Gesicht macht und sich zugleich mit dem Zeigefinger rechts, unter und links der Nase reibt. Man darf das blau-rot-weiße Sternsprühen hinzudenken. Die Erkennbarkeit des Kulturzitats hängt neben dem Wissen des Rezipienten maßgeblich von (rezeptionsleitenden) Markierungen ab. Solche können etwa soziale Stellung und Alter des Zitierenden darstellen. Ein älterer Professor im 60er-Jahre-Anzug trägt diesen kaum als Kulturzitat. Trägt sein Sohn, der in den 70ern geboren wurde, den Anzug, ist die Kulturzitatwahrscheinlichkeit höher.

Der bloße Umstand, daß ein Brauner Bär verzehrt wird, etwa da er schmeckt oder alle anderen in der Schulklasse dieses Eis kaufen, hat nichts mit einem Kulturzitat bzw. der Mitteilung einer Kulturzitation zu tun, sondern eher mit Geschmackspräferenzen bzw. gruppendynamischen Aspekten. Gleichermaßen wird die WM 66 nicht als Kulturzitat verwendet, wenn sie aufgrund ihrer geringen Ausmaße und des niedrigen Gewichts oft "in Schrebergärten und auf Campingplätzen [...] zu finden [ist]." (dpa) (Felder 7/8).

Eine Besonderheit des Kulturzitats gegenüber dem Standardzitat besteht darin, daß letzteres als 'andere Rede in einer Rede' auf eine soziale Kommunikationssituation hin zielt. Zwar ist auch das Kulturzitat vorrangig ein soziales Kommunikationsphänomen; allerdings muß dies nicht der Fall sein (Felder 5/6). So macht sich der eine allein zuhause via Brauner Bär auf die Suche nach der verlorenen Kindheit. Der andere fährt einen Austin Hailey als Kulturzitat spazieren, nur um Fahrgefühl und Motorengeräusch zu genießen. Wie die geschilderten Situationen zeigen, handelt es sich bei einem Kulturzitat ohne Mitteilungsintention keineswegs nur um mentale Akte, um bloße Erinnerungen; vielmehr sind diese als Handlungen für andere wahrnehm- und interpretierbar.

 

Profan, alltäglich, wild

Postmodernen Selbstbeschreibungen zum Trotz hält die Gesellschaft in der Praxis nach wie vor bestimmte kulturelle Unterschiede für interessanter und wertvoller als andere (Boris Groys). Die Bewertung eines Relikts als kulturell profan (alltäglich, banal, trivial) ergibt sich aus der Differenz zu Sachverhalten, die als hochkulturell beobachtet werden. Diese hochkulturellen Sachverhalte zeichnen sich vor allem dadurch aus, daß sie von dem Gedächtnis einer Gesellschaft in geordneter Weise erfaßt und beständig gepflegt werden -- durch Archive, Bibliotheken, Museen, Schulen, sowie andere traditionelle Kulturgärtner. Als profan werden vice versa all diejenigen Sachverhalte beobachtet, die als nicht bedeutsam, repräsentativ, wichtig für geordnete Aufbewahrung und Erhaltung anerkannt werden. Was an Profanem nicht durch Zufall erhalten bleibt, verschwindet im Lauf der Zeit.

Was als profane Kultur und was als hochkulturell beobachtet werden kann, ist eine Frage des Wechselverhältnisses beider Seiten. Die Grenze zwischen diesen Seiten ist aufgrund der unterschiedlichen Wertperspektiven der Beteiligten ständig in Bewegung und nur partiell überschaubar. Als prominente Thematisierungen dieser Grenze im Hinblick auf eine hochkulturelle Valorisierung des Profanen können Ready-Mades, also industriell gefertigte Waren als Kunst gelten. Umgekehrt findet sich eine Profanisierung des Hochkulturellen, wie zum Beispiel Rembrandt-Motive auf Regenschirmen.

Das Kulturzitat gehört zum profanen Beobachtungsbereich. Nicht in Bibliotheken oder in Lehrplaninhalten oder in Museen sucht und findet der Zitierende seine Quellen. Es gibt kaum Institutionen, die sich um Ampelmännchen oder Braune Bären oder Waschmaschinen bemühten und bemühen. Vielmehr wird der Zitierende im Keller fündig oder auf dem Flohmarkt, in alltagsrelevanten Kommunikationen oder bei Ebay. Er referiert mit anderen Worten auf eine Quelle, mit dem du und ich in den historischen 60ern, 70ern, 80ern alltäglichen Umgang pflegten oder hätten pflegen können. Auch im Hinblick auf Performanz ist das Kulturzitat profan; es wird im Kontext unorganisierter, wildwüchsiger Semantiken kommuniziert, die, im Gegensatz zu gepflegten Orientierungsinstanzen, Sinn lebensnaher, kleinteiliger, kurzlebiger und weniger starr fixiert kondensieren.

Profane Sachverhalte werden als Kulturzitat selegiert, da es sich um eine Aneignung von Geschichte durch Laien, durch ein populäres Geschichtsbewußtsein handelt. Somit liegt der Griff nach Relikten einer historischen Lebenswelt nahe. Professioneller Historik galt im Gegensatz dazu noch bis vor einigen Jahren vor allem der Text -- wie er als menschliches Zeugnis durch die Hand eines Vermittlers gegangen ist und in traditionellen Archiven aufbewahrt wird -- als verläßliche Informationsquelle über die Vergangenheit. Profane Sachverhalte werden zudem zitiert, da sie für Operationalität im Alltag des Zitierenden prädestiniert sind, in Form von Kleidung, Einrichtung, als Genußmittel.

 

III

Die Frage, warum eine bestimmte zeitkulturelle Referenz (und die mit ihr versehenen Relikte) zu einer bestimmten Zeit en vogue ist, erfordert eine Reflexion darüber, welches gesellschaftliche Problem durch einen solchen Rückgriff gelöst wird. Im Fall der gegenwärtigen Welle von DDR-Kulturzitaten mag dies damit zu tun haben, daß die reale Wahrnehmbarkeit der DDR immer mehr schwindet. Es fahren weniger Trabanten, ein Straßenzug nach dem anderen wird renoviert, sozialistisch problematische Bezeichnungen werden geändert, neue Produkte sind eingeführt, usw. Häufig ist auch zu vernehmen, der Alltag in der DDR wäre unbekannt; im Unterschied zur politischen Geschichte des Staats. Mit Blick auf die 70er, 80er und Ostalgie-Shows ist zudem eine medieninterne Dynamik zu berücksichtigen. Hat sich erst einmal eine Retro-Show als erfolgreich erwiesen, so wird das Format (mit derselben oder anderen zeitkulturellen Referenzen) von der Konkurrenz abgekupfert. Mittlerweile geht man bereits zur Kombination des Retro-Show-Formats mit anderen medialen Formaten über, woran sich dann auch das Ende der gegenwärtigen Kulturzitatwelle in massenmedialer Hinsicht abzeichnet. Die Retro-Show erhält mit Hilfe des Wer-wird-Superstar?-Formats einen letzten Auftritt als das Retro-Casting-Event Comeback (Pro7). Zu recht in Vergessenheit geratene Künstler treten hier à la Star Search oder DSDS gegeneinander an; dem Sieger winkt eine Rückkehr auf die Showbühne.

Zentraler ist hier die Frage, warum die Leute überhaupt vergangene Zeitkulturen zitieren, welchen Sinngewinn sie persönlich daraus ziehen (abgesehen von tatsächlichen Profitchancen). Während eine Theorie des Kulturzitats sieht, daß ein Kulturzitat die Unterscheidung zweier Zeitkulturen impliziert, werden vom Kulturzitierenden selbst im lebensweltlichen Umgang verschiedene Perspektiven eingenommen, nach denen sich individuelle Zitatgründe kategorisieren lassen wie folgt.

 

Pflege und Verehrung

Die Kategorie, im Rahmen derer ein Zitierender vorrangig eine Seite der (theoretisch) zweiwertigen Zeitkulturdifferenz in den Blick nimmt, ist charakterisiert durch ein semantisches Feld von Pflege und Verehrung. Agri culti hieß es in der Antike -- jenseits des zu bestellenden Bodens hausten die Barbaren. Bei vorhandenem Differenzwissen interessierte man sich nicht für deren Lebensformen, denn die Barbaren galten nicht als Menschen.

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Abb. 6

Gegenwärtig liegt der persönliche Gewinn des Kulturzitierens in der Schaffung eines Zuhauses, das man pflegen kann, einer Heimat, so wie man sie gerne hätte und wie sie die Gegenwart nicht bietet. Die 50er-Jahre kehren etwa als harmonisch-intakte, von scheinbarem gesellschaftlichem Konsens geprägte Dekade in Form von Modellbausätzen wieder. Am Sonntagnachmittag wird im Keller kulturzitativ Haus für Haus eine idyllische Landschaft erstellt, mit größter Liebe zum Detail (während die alltäglichen Nachrichten von atomarer Bedrohung, Terrorismus und Krieg berichten). Oder die Managerin aus Zwickau kauft im Ost-Flair-Laden Werbegeschenke für ihre Kunden, um die Region faktisch zu fördern und beim Empfänger das Bewußtsein für die Identität der Region zu bewahren. (Denn diese geht gegenwärtig mehr und mehr im 'Einheitsbrei' verloren). Der 60ties-Club wird zum Wohnzimmer für kollektive Kulturzitation (Abb. 6): Bei warmen Farben und weichen Formen hört man Musik, die auf echten Instrumenten gespielt und mit der Bandmaschine aufgenommen ist (oder sein könnte). Das Bier wird aus der Flasche getrunken, die Cocktails wie ehedem aus Gläsern ohne Sponsorenaufdruck (während andernorts der Kommerz regiert und die Musik kalt, künstlich und schlimmstenfalls hörbar aus dem Computer stammt und vom Laser gelesen wird). Es finden sich gleichgesinnte Pflegende und adaptionsfähige Lebensmuster. Letztere können für die überzeugteren Zitierenden auch jenseits der zumeist räumlich und zeitlich begrenzten Wahlheimat eine Identitätsfunktion einnehmen. Daß diese Lebensmuster unter Exklusion anderer Ich-Möglichkeiten gewählt werden, interessiert höchstens einen Beobachter mit theoretischer Perspektive.

Es ist diese vorrangig einwertige Perspektive, in der ein Zitierender seine Handlung (im Vergleich zu folgenden Kategorien) am seltensten selbst als Zitat auffaßt. Eher werden die Handlungen als (zeitkulturunabhängiges) Tradieren von Werten begriffen. Eine Theorie des Kulturzitats kann im konkreten Fall sehen, wie solch ein Kulturzitierender die Schwierigkeit löst, intensiver in einer anderen Zeitkultur zu leben als die Mehrheit. Sei es durch zeitliche Entfaltung (tagsüber Gegenwart, abends ins historische Kulturzitatoutfit schlüpfen), sei es durch soziale Entfaltung (man lebt in einem Umfeld von Kulturzitierenden) oder sei es schlicht durch -- via Postmoderne erleichtertes -- Ignorieren zeitkultureller Differenzen. Der Film Good Bye, Lenin! strickt aus einem vergleichbaren Problem eine unterhaltsame Geschichte.

 

Vergleich

Werden in der Praxis einer Kulturzitation durch den Zitierenden vorrangig beide implizierten Zeitkulturen in den Blick genommen, liegt dessen Gewinn in einer sinnlich-konkreten Vergleichsperspektive. Ähnlich, wie intellektuelle Kulturbeobachter mit dem 17. Jahrhundert verstärkt zu bemerken begannen: Anderswo gibt es auch Menschen; diese leben anders als wir und sind dennoch Menschen.

Die Ostalgie-, etc. Fernsehshows speisen sich wesentlich aus dem Aspekt des Vergleichs. Mit dem Zusatz, daß hier nicht der Zuschauer selbst zitiert, sondern ihm, unterhaltsam verpackt, vorzitiert wird. Mit Westblick sieht man Nudossi und denkt:

"So mußten wir zu Hause fünf Tage lang Marmelade essen, bevor wir am Samstagabend Nutella bekamen. [...]. Das Ergebnis ist, daß wir, kaum flügge geworden, unsere Studentenjahre mit Nutella als zentralem Brotaufstrich verlebten [...]." (Generation Golf)

Oder man sieht Kessel Buntes und denkt:

"Mir geht es gut. Es ist Samstag abend, ich sitze in der warmen Wanne [...]. Nachher gibt es Wetten daß...? Mit Frank Elstner. Dazu kuschle ich mich in den warmen Kapuzenbademantel, den meine Mutter vorgewärmt hat, damit ich mich auch wirklich nicht verkühle. Mit anderen Worten: Ich fühle mich, als hätte der Postbote gerade das Rundum-sorglos-Paket abgegeben [...]. [N]iemals wieder hatte man in späteren Jahren solch ein sicheres Gefühl, zu einem bestimmten Zeitpunkt genau das richtige zu tun." (Generation Golf)

Ähnlich sieht man, wie ein Kritiker der Süddeutschen Zeitung schrieb, den Trabant und denkt: Käfer. Man sieht Bulgarien und denkt: Mallorca. Man sieht Knusperflocken und denkt: Toblerone. Man sieht die Puhdys und denkt: BAP. Man sieht den falschen Indianer Goijko Mitic und denkt an den falschen Indianer Pierre Briece. Der Ostblick hingegen kann im zeitkulturellen Rückblick den Trabant wahrnehmen und Damals und Heute vergleichen oder die eigene DDR-Zeitkultur mit der dargebotenen. Emotionale Implikationen wie sie obige Zitate nahelegen, dürfen auch für diese Perspektive angenommen werden.

Das Kulturzitat bietet dem Zitierenden in dieser zweiwertigen Perspektive weniger eine Heimat zur Pflege, sondern funktioniert auf Vergleichsbasis als sozialer Lernmechanismus für die Unbekannten der modernen Gesellschaft (Karl Eibl). Es ist ein profaner Prägestempel, ein wildwüchsiges semantisches Versatzstück, das Lebenssituationen und -muster, Gesellschaftsdeutungen und Gefühle abzutasten hilft: So war und ist das also bei dir; so war und ist das bei mir. Verschiedenste individuelle und soziale Zeitkulturen können miteinander in Beziehung gesetzt werden. Sei es, um sich im nächsten Schritt mit der einen Zeitkultur zu identifizieren und diese zu pflegen. Sei es, um beide Zeitkulturen zu integrieren. Oder sei es, um den Vergleich durch eine anders gelagerte Unterscheidung als Vergleich kontingent zu setzen -- womit die dritte Kategorie bezeichnet ist.

 

Spiel

Die zweiwertige Beobachtung Zeitkultur kann in der kulturzitativen Praxis als eine Unterscheidung unter anderen gehandhabt werden. Der Gewinn für den Zitierenden liegt hier im Spiel mit Kontingenz. Etwa aus Subversivitätsabsichten, aus Protest, aus Lust an Verwandlung, Kombination und Irritation, aus Wertschätzung für Ironie und Uneigentlichkeit.

Man besucht heute eine 80er-Feier und entsorgt am nächsten Abend die zuvor extra besorgten Modern-Talking-Platten bei einem Anti-Eighties-Event. Wer genug hat von Firmenmeetings im schwarzen Anzug, irritiert das nächste durch 68er-Turnschuhe. Abends fährt man mit dem Trabant in die Oper und geht anschließend in den 60ties-Club. Während sich die Nachbarn um Rauhfaser oder Holzdecke streiten, tapeziert man psychedelische Blumenmuster. Man läuft mit einem Mod-Target auf dem T-Shirt herum, meint dies aber nicht so. Und dann wieder doch. Und dann doppelt gebrochen wieder nicht. Geschichte dient hier nur mehr als Vorrat anderer Unterschiede gegenüber gegenwärtigem Differenzpotential. (Etwa wenn dieses nicht mehr genügend Informationsreiz bietet, um aufzufallen). In dieser spielerisch-postmodernen Verwendung des Kulturzitats versteht ein Zitierender sein Handeln am ehesten selbst als Zitat. Denn die Requisite ist für diesen austauschbar; keine pflegende, heimatliche Beziehung setzt ihn jenseits des Spielmoments in eine Beziehung zu ihr.

Die drei Kategorien Pflege/Verehrung, Vergleich und Spiel müssen als Grund für Kulturzitationen nicht strikt voneinander getrennt auftreten. Ebenso kommen sie als Gemengelage vor: Zunächst hat ein Zitierender eine WM 66 zu Hause stehen, da er seine schönsten Kinderjahre in der DDR verlebte. Dann, da das "robuste Ding" mit dem einen Waschgang sich so herrlich von gegenwärtigen Waschcomputern unterscheidet. Und wenn die Freunde schließlich gesehen haben, wie man oben das Wasser mit dem Eimer einfüllt, wird die Wäsche in die moderne Maschine gesteckt, im Sessel Joe platz genommen, mit den Füßen auf dem Nierentisch herumgelümmelt und -- Comeback geguckt.

Bildnachweise: Abb. 1: Tarak GmbH. Abb. 2: Privat (Weissenfeldt). Abb. 3: Langnese Presseservice. Abb. 4: Agentur Anzinger, Wüschner, Rasp. Abb. 5: Nach einer Vorlage von Füger, in: Helbig. Abb. 6: Barcode Domagkstr. 33.

 

autoreninfo 
Christoph Bock studierte Germanistik, Komparatistik und Philosophie in Tübingen, Seattle und München. Arbeitet als freier Lektor und Redakteur. Interessiert sich für Retro- und Cyberkulturen, Medientheorien und Brass Band Jazz.
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