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no. 10: chinesische gegenwarten -> helmut lang
 

"In a slightly fucked-up way"

Helmut Lang und die Zukunft des Minimalismus

von Dirk Hohnsträter

zum artikel:

* anmerkungen
* literatur
* druckbares

Mit irritierend einfachen Linien ist der österreichische Designer Helmut Lang zum Darling der internationalen Modeszene geworden. Hinter seinen Entwürfen steht das Lebensgefühl einer Moderne, die schon alle Übertretungen gesehen hat und nun am Übriggebliebenen weiterarbeiten kann.

 
Do you live in a minimalist style?
No, not really.

 

"HELMUT LANG finest clothes, luxury goods, and fine fragrances since 1986 available worldwide New York, N.Y. -- A/W 2000" Dazu Adresse, Telefon, Fax, Internetanschrift. Mehr verrät die großformatige, schwarzweiße Anzeige nicht. Manchmal findet sich noch ein kleines Foto eines Künstlers oder das Backstageportrait eines blassen Models. Die aktuelle Kampagne zeigt eine verschwommene Abbildung von vier Gürteln, darunter heißt es knapp: "HELMUT LANG Four Men". Solche Anzeigen finden sich im National Geographic, wohin sich sonst nie eine Modewerbung verirrt, oder in Artforum International. Oder auf Yellow Cabs. Nur wer den Internetauftritt des Hauses Lang besucht, bekommt Informationen: akkurat präsentierte Laufstegshots der neuen Kollektionen, internationale Bezugsadressen. Mehr nicht. Wer an einer Helmut Lang Boutique vorbeischlendert, sucht vergebens nach Ware in einem Schaufenster. Selbst im Flagshipstore in der New Yorker Greene Street muß man erst einmal einen beinahe leeren Ausstellungsraum mit einer Installation von Jenny Holzer passieren, um sich den Kleidungsstücken zu nähern. In schwarzen Kästen "lakonisch wie Bücher aufgereiht" (Ingeborg Harms), treten sie selbst im Verkaufsbereich kaum hervor. Lediglich ein paar ausgewählte Stücke hat Lang, Kunstwerken gleich, exponiert aufgehängt. Aber der eigentliche Schock kommt erst noch: Warum soll ich viel Geld für derart simple Klamotten ausgeben, fragt sich der Kunde, wenn er endlich die ersten Stücke erblickt hat. Bis er sie anprobiert.

"Auf Anhieb läßt sich die Faszination, die der Zuschauer bei seinen Modenschauen erlebt, nicht erklären. Sie liegt zum Teil in der Unverfrorenheit des Nichts.", bemerkt die Modehistorikern Ingrid Loschek über die Kollektionen des österreichischen Designers mit Sitz in New York. Lang, so heißt es in einer Modegeschichte, "definiert das Lebensgefühl der 90er, wie etwa Armani das der 80er und Saint Laurent das der 70er." Und der Spiegel resümiert: "In den Neunzigern gab es zwei Fraktionen: Die einen kauften sich Sex, die anderen Verstand. Sexy wurde, wer in Glitzerndes von Gucci schlüpfte, klug, wer seine Figur in Prada-Kitteln verbarg. Ein paar Superkluge glaubten, daß Intelligenz sexy ist und trugen Puristisches von Helmut Lang." Der Autodidakt gilt als einflußreichster Modeschöpfer der letzten fünfzehn Jahre. Wie läßt es sich erklären, daß hochbezahlte Models für Lang gratis liefen, bezahlt lediglich mit den Kleidern, die sie trugen? Wie, daß die New Yorker fashion week komplett vorverlegt wurde, nur weil Lang beschloß, vor Paris, Mailand und London zu zeigen?

Noch unverständlicher wird der Jubel, mit dem die Modewelt Lang zur Zeit belegt, wenn man bedenkt, daß dieselbe Modewelt den Minimalismus gerade für passé erklärt hat. Jil Sander, die 'queen of less', hat das Handtuch geworfen, als sie ihre einzigartigen Qualitätsmaßstäbe nicht durchhalten konnte. Prada, einst innovativ und von geradezu magischer Ausstrahlung, hat sich zum Lifestyle-Imperium mit unentschiedener Linie gewandelt. Amerikanische Designer wie Donna Karan und Calvin Klein verschlissen ihre Markenidentität durch Sportlabel und Lizenzen. Und Armani scheint sein Lebenswerk mit einem Megastore in Mailand und einer Retrospektive im New Yorker Guggenheim Museum abgeschlossen zu haben. Kurzum: Der Minimalismus ist durch, aber Lang, der erste und letzte Minimalist, wird gefeiert. Warum?

Es könnte, so die im Zeitalter des Markenkults verwegene Vermutung, an den Kleidungsstücken liegen, die Lang vorschlägt. Auf den ersten Blick wirken sie ganz unspektakulär. Bisweilen erinnern sie die Mitglieder der "Generation Golf" (Florian Illies) an die Uniform ihrer Jugend: Jeans, Sweatshirt, zusammenfaltbare Regenjacken, Parka. Doch irgendetwas ist anders, durchdachter, passender, ja: cooler. Verblüfft stellt man fest, daß Langs Baumwollpullover sich im Gegensatz zu denen der Konkurrenz nicht unförmig weiten, daß seine Merinowollpullover die Wäsche überstehen ohne jede Blessur, daß man in der (leider nicht mehr hergestellten) Unterwäsche aussieht, als habe man soeben ein Fitnessprogramm absolviert, daß der Stadtmantel von Maß sein könnte, aber gleichwohl avangardistisch wirkt. Was jeweils besonders ist, merkt man erst beim Tragen, und nach Außen teilt es sich nur indirekt mit. Auf das Exponieren des Markenlogos kann Lang daher verzichten. Zeitweilig hat er auf dem Etikett das Herstellungsjahr vermerkt. "Produced in 1998", steht in einem Pullover, den ich nach wie vor gerne trage. Aber mittlerweile ist das Label fast ganz verschwunden; selbst in den teuersten Stücken ist nur ein kleiner Streifen mit dem Designernamen eingenäht. "Anscheinend wird damit auf die 'tickets' angespielt, die man in den handgefertigten Anzügen von Maßschneidern vorfindet.", vermutet John Seabrook im New Yorker. Auf meine enttäuschte Frage, warum denn die Ware von Helmut Lang nicht zum Schlußverkauf im Preis heruntergesetzt werde, erwiderte ein Verkäufer achselzuckend: "Der macht doch in jeder Saison daßelbe. Warum sollten wir da Preisnachlässe gewähren?" So kann man es natürlich auch sehen.

Lang zwingt niemanden "Saison für Saison seinen Kleiderschrank nach den Launen eines Modefürsten auszuräumen" und fügt seinen Stücken doch "kleine Extravaganzen" hinzu, "die dem selbstbewussten Kunden schmeicheln.", wie Ingeborg Harms bemerkt. Überlegte Kniffe, denen man selbst dann noch Respekt zollt, wenn sie einmal nicht überzeugen. "Seine teuerste Gesellschaftsgarderobe ist so bequem und unkompliziert als wäre sie für den Alltag geschaffen, während sich seine Freizeitkleidung durch die detailgenaue Korrektheit des Pret-a-porter auszeichnet.", beobachtet Seabrook. Nicht selten verleiht Lang, oft unterstützt durch die Stylistin Melanie Ward, beispielsweise seiner strengen, körpernahen Damenlinie durch hauchdünne Schleier oder Federn, Tops oder Bänder "ein delikates Gegengewicht" (Harms).

Langs Mode ist effizient. Man kann Teile unterschiedlicher Kollektionen bedenkenlos kombinieren, man kann sie bei ganz unterschiedlichen Gelegenheiten tragen. Ja, man kann sie überhaupt tragen, anders als so manches Erzeugnis des Hamburger Purismus und des Mailänder Minimalismus, das im Laden wie eine traumhafte Trouvaille wirkt, aber für die meisten alltäglichen Situationen zu empfindlich ist. Cashmere ist für Lang kein must, nur weil es eben exklusiver ist, Cashmere zu tragen. Trotz dieser Tragbarkeit strahlt seine Mode das gewisse Etwas aus, das sie von ihren Kopien unterscheidet. Intelligente Details, in jahrelanger Arbeit an Werkeinheiten entwickelt, wirken unmerklich. Das Gesamtbild macht überraschend den entscheidenden Unterschied.

Gegen die androgynen Pyjamasilhouetten der großen Namen hat Lang sehr männliche und sehr weibliche Schnitte gesetzt ("Wir haben den Frauen die Kleidung gegeben, die sie wollten."); trotzdem war er der erste, der Männer und Frauen gemeinsam über den Laufsteg schickte. Bei seinen Shows führen alte ebenso wie junge, farbige ebenso wie weiße Menschen die Kleidung vor. Einmal durchgesetzt, erscheinen diese vor wenigen Jahren noch revolutionären Neuerungen absolut selbstverständlich und einleuchtend. Die lukrative Zweitlinie 'Helmut Lang Jeans' hat er nach kurzer Zeit wieder eingestellt, nun hängen Basics und Luxusteile nebeneinander auf den Kleiderstangen. "Man kleidet sich, um sich vor Umwelteinflüssen zu schützen und um sich stilistisch von anderen abzuheben." So einfach ist das.

"Ich meine eben, daß ich mich nicht daran halten muß.", ist ein Satz, den man oft aus Langs Mund hört, und so hat er einfach vieles anders gemacht. Inmitten der Pariser Couture-Opulenz zeigte er zurückhaltende Entwürfe. Im Mutterland des sportlichen Looks präsentiert er europäische Eleganz. Lang führte das Modeestablishment vor, als er zu einer Modenschau im Smoking bat und er provozierte es, als er dem Rummel einer hysterischen Preisverleihung fernblieb. Als sich Hollywoodgrößen zu seiner Show ankündigten, sagte er sie kurzerhand ab und präsentierte die neue Kollektion stattdessen im Internet. Lang blamierte manchen Möchtegernkünstler, indem er stinknormale Jeans mit Farbkleksen zu überhöhten Preisen und in limitierter Auflage verkaufte.[Anm. 1] Lang ließ sein erstes Parfüm produzieren, obwohl alle Testriecher den Duft (zurecht, wie mir scheint) abstoßend fanden. Man kann darüber spekulieren, wieviel an seinen den Trends oft gegenläufigen Zügen kalkulierter Werbeeffekt ist, wieviel Anteil der Markenfetischismus an seinem Erfolg hat. Aber daß Lang seiner Zeit immer wieder voraus war, läßt sich nicht bestreiten, und die Qualität seiner Ware kann jeder selbst beurteilen. Erfolg und Integrität, das verheißt die Karriere dieses humorvollen Mannes, müssen keinen Gegensatz bilden. Und so liest man die Story des Autodidakten, dessen Eigensinn und langer Atem ihn aus der österreichischen Provinz über Wien und Paris nach New York brachte, mit Sympathie. Es ist die Geschichte von einem, der angekommen ist. "In New York habe ich erstmals seit meiner frühen Kindheit wieder das Gefühl, zu Hause zu sein. New York ist gleichsam das Rom unserer Tage. Man meint wirklich am Mittelpunkt der Welt zu sein und alles geschieht zur selben Zeit, man fühlt sich also auf eine sehr selbstverständliche Weise mit allem verbunden."

Als junger Mann, so geht die Legende, jobbte Lang als Barkeeper in Wien. In den Geschäften fand er keine Kleidung, die ihm gefiel, und so ließ er in einer Maßschneiderei ein T-Shirt und eine Hose anfertigen. Freunden gefielen die Sachen so gut, daß sie ihn baten, für sie auch welche machen zu lassen. 1979 eröffnete er eine Boutique, 1984 folgte die erste Damenkollektion, 1987 die Männerkollektion, seit 1986 zeigte er in Paris, 1997 erfolgte der Umzug nach New York (der erste eines europäischen Modehauses in die Vereinigten Staaten). Die Verspätung, das Nachholenmüssen des Provinzjungen schlug um in einen Vorsprung: Als die Ökologiebewegung einsetzte, konnte er, der in der Steiermark aufgewachsen war, gelassen von sich sagen: "Ich hatte die Erdlektion schon hinter mir". Der Enkel eines Schumachers brauchte den Wert handwerklicher Qualitätsverarbeitung nicht zu lernen, als Zweifel an industrieller Massenware laut wurde. Und jetzt, in New York, hat die Zeit des Wartens und der Umwege ein Ende. Hier, sagt Lang, führe er ein Leben aus erster Hand.

Aber noch einmal: Worin besteht die eigentümliche Faszination des Lang-Looks? Und: Wenn Mode ein Indikator ihrer Zeit ist, was kann eine reflexiv gewordene Moderne von Helmut Lang lernen?

Zwei Zeitgenossen Langs zeigen als eigenwillige Autoren eine gewisse Nähe zu Lang und eignen sich daher besonders, um die spezifische Signatur des Österreichers herauszufinden: Hussein Chalayan und Yohji Yamamoto. Mit Chalayan teilt Lang die intellektuelle Strenge und kulturelle Wachsamkeit, beide experimentieren gerne mit neuen Materialien und bevorzugen einfache Linien. Lang ist jedoch weit weniger konzeptionell als Chalayan, legt größeren Wert auf Brauchbarkeit. Man könnte sagen, daß Chalayan Kunstwerke entwirft, Lang hingegen Kleidung für (Lebens-)künstler. Yamamotos Meisterschaft bleibt gewiß unerreicht, doch kommen Langs beste Stücke, etwa seine Mäntel, bisweilen an die atemberaubende Präzision beispielsweise der Gehröcke oder die perfekten Hosen des Japaners heran. Beide Linien umgibt eine künstlerische, atelierhafte Note. Aber mit seinen längst klassischen Kreationen schuf der Japaner eine neue, rätselhafte Schönheit, der "das Geheimnis eingenäht" ist, wie Barbara Vinken es in ihrer trefflichen Studie über die "Mode nach der Mode" ausgedrückt hat. Langs Linie hingegen erwächst ganz aus den Wirklichkeiten des alten Europa und der neuen Welt.

Das Neue, schreibt Ingeborg Harms, sei "bei Helmut Lang daran zu erkennen, daß es wie das Alte aussieht, nur ist man seiner plötzlich nicht mehr überdrüssig." "Man muss die Tradition kennen", zitiert sie Lang, "um zu wissen, was man ablehnt und was man behält." "Langs Kleider", faßt Harms überzeugend zusammen, "ließen sich als das definieren, was vom Überschwang nach der Ernüchterung übrig bleibt, als stilles Echo großer Emotionen." Damit dürfte der entscheidende Punkt getroffen sein.

"Im Grunde", bemerkt Lang in einem Gespräch, "bewältigen wir nur die Aufarbeitung aller Tabus, die mal in der Mode gebrochen wurden." Und er fügt hinzu: "Das Problem zuletzt war nicht die Dramatik, sondern daß sie nicht wirklich neu interpretiert war." "Das kämpferisch Aktionistische ist vorbei. Heute spielt sich alles viel subtiler ab." Aber wie? Ein Passus in Ulf Poschardts Kulturgeschichte der Mode führt näher an eine Antwort heran: "Nach dem Unterschied zwischen Minimalismus und Konservatismus gefragt, antwortete Lang anläßlich einer Preisverleihung: 'Nichts von beiden kann alleine existieren. Minimalismus ist nur aufregend, wenn er die logische Konsequenz von Opulenz ist, daß heißt, in etwas Reichem wurzelt. Ich bin von einem Konservatismus nur dann fasziniert, wenn er klassisch ist, verwurzelt in der Tradition, und nicht, wenn er dazu benutzt wird, um Schwäche zu kaschieren.'" Poschardt kommentiert: "Modern zu sein, heißt nach dem Ende der orthodoxen Moderne und nach dem Lernen aus ihren Fehlern, Einfachheit aus Komplexität zu kondensieren -- also weder auf dem Komplexen als dem schön Schwierigen zu beharren, noch es sich mit einer puristischen Einfachheit schön leicht zu machen."

Lang findet eigentlich vor, legt frei, verfeinert, verwirft. "Die unbewußte Vorbereitung ist ein langsamer Prozess. Man muss sich Zeit geben, ganz offen dastehen, um den nächsten Schritt zu machen. Wenn das gelöst ist, kann es sehr schnell gehen.", führt er in einem Gespräch über Kreativität aus. Es komme darauf an, daß "man erkennt, wann man aufhören muss. Irgendwann muss einen das Werk zwingen, aufzuhören, weil es eine eigenständige Form erreicht hat -- selbst wenn man etwas anderes geplant hat. Genau das will man. Aber das kann zu einem ganz anderen Zeitpunkt geschehen, als man erwartet hat. Bei diesem Prozess hilft einem der Zeitdruck. Deadlines zwingen einen zu formulieren. Sonst würde man sich zu viele Freiheiten nehmen." Man merkt Langs für einen Modemacher erstaunlich reflektierten Äußerungen an, daß er seinen Arbeitsstil im Dialog mit Künstlerfreunden wie zum Beispiel Kurt Kocherscheidt und dessen Frau, der Fotografin Elfie Semotan, entwickelt hat. Gottsuchern, wie er sie im Gegensatz zu Unterhaltungskünstlern nennt. "Heimlich wünsche ich mir manchmal, ich wäre ein Unterhaltungskünstler. Aber ich weiß, daß es ein Geschenk ist, keiner zu sein. Man hat keine Wahl."

Von Louise Bourgeois, der 88jährigen Bildhauerin, sagt der 44jährige Designer, der in einem Gewerbe der Schnellebigkeit und des Jugendkults tätig ist, habe er "gelernt, daß es großartig ist, alt zu werden." Man merkt seinen Sachen an, daß sie auch gebraucht getragen werden können. Daß die Eleganz von Langs Mode immer leicht gebrochen ist, erklärt sich nicht zuletzt aus dieser Gebrochenheit. Langs Kleidung hat das Verschlissene Wiens, das Abgewetzte einer Caféhausbank. Bisweilen wirken die Sachen, als hänge der Duft frischgerösteter Kaffeebohnen in ihnen. Und doch atmen sie zugleich die selbstverständliche Modernität New Yorks. Langs Studio befindet sich, nach Art alter Pariser Couture-Häuser, über seinem Flagshipstore; aber bei dem Gebäude, in dem beides verortet ist, handelt es sich um ein altes Loft in Soho. "Es sieht so echt aus, daß es vielleicht tatsächlich echt ist.", mutmaßt Seabrook. Man spürt, daß Lang nur das macht, was er wirklich kann. Europäische Qualität, sagt der Exilwiener, der eine zeitlang mit der Schuhmanufaktur "Ludwig Reiter" kooperierte und zur Zeit erwägt, nach der Fertigstellung eines an alte Apotheken erinnernden Parfümhauses ein Maßatelier zu eröffnen. "Helmut Lang liebt das Selbstverständliche, weil es nicht mehr ständig erklärt, sondern nur noch konsequent angewandt und hin und wieder hinterfragt werden muß.", erklärt Gächter. Daß das, was so mühsam gefiltert und errungen wurde ("Wer sagt denn, daß es einfach sein muss? Gute Dinge sind schwierig."), nun so lebendig wirkt, daß man sich, mit anderen Worten, in den Klamotten von Helmut Lang so ungemein wohl fühlt, darin besteht seine Leistung, daraus erklärt sich letztlich sein Triumph. Eleganz, aber "in a slightly fucked-up way", wie es im New Yorker treffend hieß -- das ist Helmut Langs Signatur! Am Ende fällt diese Kleidung niemandem auf, und man konzentriert sich ganz auf den etwas derangierten Menschen, der sie trägt. Und der sieht -- in den Worten der Lang-Freundin Jenny Holzer -- aus wie jemand "nach einer leidenschaftlichen, aber schwierigen Nacht."

 

autoreninfo 
Dr. Dirk Hohnsträter unterrichtet Literatur, Film und Kreatives Schreiben an der Eötvös Loránd Universität in Budapest. Er ist Absolvent von Ars Dramatica, der Akademie für dramatisches Erzählen in Berlin und verfaßt Drehbücher und Prosatexte.
E-Mail: Dirk.Hohnstraeter@gmx.de

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